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In einem kleinen Dorf liefen alle schnell ins Haus, als sie schwere Schritte hörten. „Gormak kommt!" riefen die Mütter. Fenster schlossen sich fest. Der Boden bebte bei jedem donnernden Schritt.
Gormak stand am Dorfrand, sein Schatten bedeckte drei Häuser. Er schaute auf seine riesigen Hände. „Warum laufen alle vor mir weg?" fragte er sich laut, seine Stimme grollte wie ferner Donner.
Nacht für Nacht saß Gormak allein am Hügel. Die Sterne schienen so klein und weit weg. Sogar der Mond versteckte sich hinter Wolken, wenn er auftauchte. Seine Welt fühlte sich sehr leer und still an.
Eines Abends geschah etwas Seltsames. Der Boden unter Gormaĸs Füßen begann mit sanftem violettem Licht zu leuchten. Winzige Funken tanzten von der Erde hoch wie schwebende Samen. „Was ist das für ein Zauber?" flüsterte er.
Das Leuchten breitete sich in einem Kreis um ihn aus. Schimmernde Ranken drängten durch die Erde, ihre Blätter funkelten wie eingefangenes Sternenlicht. Ein Tor aus gedrehten Ästen erschien, gefüllt mit wirbelndem Nebel, der nach Honig und Regen duftete.
Gormak trat vorsichtig durch das leuchtende Tor. Seine riesige Gestalt passte kaum hindurch, aber die Äste dehnten sich, um ihn durchzulassen. Auf der anderen Seite funkelte alles in Farben, die er noch nie gesehen hatte.
Ein Garten aus Licht erstreckte sich vor ihm. Kristallblumen klingelten im Wind. Bäume wuchsen kopfüber mit Wurzeln, die zu einem glitzernden Himmel reichten. Schmetterlinge aus purem Licht flatterten an seiner Nase vorbei.
„Hilf uns, bitte!" quietschte eine winzige Stimme. Gormak blickte hinab und sah ein leuchtendes Wesen, nicht größer als sein Daumen. Es hatte Flügel wie Seifenblasen und Augen wie Tautropfen. „Unser Garten fällt auseinander!"
Mehr winzige Wesen erschienen, schwebten auf Pusteblumen und ritten auf Kolibris aus Nebel. Sie zeigten Gormak, wie Teile ihres magischen Gartens grau wurden und zerfielen. „Nur jemand sehr Starkes kann helfen," sagten sie.
Die Wesen führten ihn zu einem riesigen Kristall im Herzen des Gartens. Er pulsierte schwach, sein Licht verblasste. „Das gibt unserer ganzen Welt Kraft," erklärten sie. „Aber er ist zu schwer für uns, um ihn zum Heilteich zu bringen."
Gormak schloss seine riesigen Arme um den Kristall. Er war schwerer als zehn Felsbrocken! Aber er hob ihn sanft hoch, vorsichtig, um seine zarte Oberfläche nicht zu zerbrechen. Die winzigen Wesen jubelten und tanzten auf seinen Schultern.
Schritt für vorsichtigen Schritt trug er den Kristall über Brücken aus Regenbogen. Seine Kraft, die normalerweise Dinge zerbrach, rettete sie jetzt. Die Wesen sangen Lieder, die Blumen in seinen Fußspuren blühen ließen.
Am Heilteich leuchtete das Wasser wie flüssiges Mondlicht. Gormak senkte den Kristall in die schimmernden Tiefen. Sofort breiteten sich Farbwellen aus. Der Garten begann heller zu funkeln als je zuvor.
„Du hast uns gerettet!" feierten die Wesen. Sie flochten ihm eine Krone aus leuchtenden Ranken und bemalten seine Krallen mit Sternenstaub. Zum ersten Mal in seinem Leben fühlte Gormak, dass seine große Größe ein Geschenk war, kein Fluch.
Als der Morgen in der normalen Welt nahte, begann das Gartentor zu schimmern. „Werde ich euch wiedersehen?" fragte Gormak seine neuen Freunde. Sie drückten einen winzigen Samen in seine Handfläche, der mit warmem Licht leuchtete.
„Pflanze ihn dort, wo du dich am einsamsten fühlst," flüsterten sie. „Wir werden immer in der Nähe sein." Gormak steckte den kostbaren Samen sicher in seine Hand und trat zurück durch das Tor aus gedrehten Ästen.
Der Hügel sah gleich aus, aber Gormak fühlte sich völlig anders. Er hielt den leuchtenden Samen zum Sonnenaufgang hoch. Er pulsierte im gleichen Rhythmus wie sein Herzschlag und erinnerte ihn an seinen neuen Zweck.
An diesem Abend schauten Kinder aus den Fenstern, als Gormak den Samen beim Dorfbrunnen pflanzte. Sofort wuchsen leuchtende Ranken und schufen einen magischen Garten genau dort. „Kommt und seht!" rief er sanft. „Ich werde ihn für alle beschützen."
Nun pflegt Gormak den magischen Garten des Dorfes. Kinder spielen zwischen den leuchtenden Blumen, während er über sie wacht. Sein riesiger Schatten, einst gefürchtet, ist zum sichersten Ort im ganzen Dorf geworden.
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