Story Preview
Koru saß am Rand des Dschungels und sortierte glatte Kieselsteine in ordentliche Häufchen. Er liebte Muster - große Steine hier, runde dort, flache in perfekten Reihen. Der Morgennebel trieb zwischen den Bäumen wie seidene Schals. Plötzlich rollten alle seine Kieselsteine weg. Nicht bergab, nicht zum Dschungel hin - sondern seitlich, als würden unsichtbare Finger sie ziehen. Sie purzelten durch das Gras und hinterließen winzige Spuren im Tau. „Wie merkwürdig", murmelte Koru und verfolgte mit seinen dicken Fingern die Kieselwege. Alle Spuren führten in dieselbe Richtung - zu einem Geräusch, das er noch nie gehört hatte. Nicht ganz Wasser, nicht ganz Wind. Etwas dazwischen.
Den Kieselspuren folgend, drängte sich Koru durch Vorhänge aus hängendem Moos. Das seltsame Geräusch wurde lauter - ein rückwärts geflüstertes Wispern, als würde jemand Worte einatmen, anstatt sie zu sprechen. Dort, zwischen zwei uralten Bäumen, floss ein Fluss, wie er noch keinen gesehen hatte. Das Wasser bewegte sich langsam und trug Blätter und Zweige flussaufwärts statt flussabwärts. Nebel stieg in Spiralen von seiner Oberfläche auf und drehte sich zu Formen, die fast wie... Buchstaben aussahen? „Was für ein Fluss fließt denn verkehrt herum?", fragte sich Koru laut. Sobald er sprach, hielt der Fluss inne. Das Wasser stand drei Herzschläge lang völlig still, dann begann es in die normale Richtung zu fließen. Die Nebelbuchstaben lösten sich auf.
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